Ich möchte mich mit diesem Schreiben an all jene wenden, die sich dem Unterrichten verschrieben haben. Sich dafür zu entscheiden, eine Botschaft des Friedens und der Harmonie in unserer Welt weiterzugeben, erfordert einen gewissen Mut, und ich möchte Ihnen meine Bewunderung und meine Dankbarkeit aussprechen.
Um das zu werden, was andere gerne mit dem Wort „Sensei“ bezeichnen, bedarf es Selbstlosigkeit und Grosszügigkeit. Für Sie, die sich dafür entschieden haben, das Aikido von Kobayashi Sensei zu lehren, muss dieser Herbstbeginn Anlass zur Freude sein.
Denn wir geniessen das Privileg, die Wirkung der heilenden Techniken unserer Praxis – Aikido und Aikishintaiso – zu kennen, und sind begeistert von der Aussicht auf neue Beziehungen, die wir knüpfen können.
Die Dynamik des Schuljahresbeginns ist die Begegnung zwischen neuen Menschen, die unterschiedliche Vorhaben und Anliegen mitbringen, und denjenigen, die schon länger dabei sind und ihre Erfahrung nutzen, um die Neuankömmlinge willkommen zu heißen. Es ist auch die Begegnung zwischen dem Lehrer und dem angehenden Schüler – einer Begegnung voller Versprechen und gegenseitiger Verpflichtungen.
Die Ethik des Lehrenden in der Aiki-Schule
Ich möchte an einige wesentliche Punkte erinnern, die die Grundlagen der Ethik des Lehrenden in unserer Aiki-Schule bilden.
Meister Kobayashi stellte Folgendes an erste Stelle: Aikido muss Freiheit schenken. Wenn Sie sich nicht vorstellen können, dass ein Schüler Sie verlässt, ohne davon persönlich betroffen zu sein, sind Sie noch nicht fertig zu unterrichten. Die Menschen kommen aus freien Stücken und müssen Sie auch aus freien Stücken wieder verlassen können.
So verstehen wir, warum wir Beziehungen schaffen müssen, die den Anforderungen einer Etikette entsprechen, die angemessene Distanzen setzt – das heißt Distanzen, die ausgewogene Beziehungen ermöglichen und jedem die Freiheit vom anderen lassen.
Wir sollten uns außerdem an einen Grundsatz halten, der sich folgendermaßen zusammenfassen lässt: Niemand hat das Recht zu sagen, wie ein anderer sein oder werden soll. Der Mythos der persönlichen Entwicklung durchzieht unsere Gesellschaft und damit auch unsere Dojos. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich Illusionen entwickeln, die in Enttäuschung umschlagen und deren Wurzel im Glauben an die übernatürlichen Fähigkeiten des Lehrers oder der Praxis liegt. Der Schüler, der zweifelt, ist nicht unbedingt derjenige, der am schwierigsten zu führen ist. Es ist vielmehr derjenige, der die Macht über sich selbst in Ihre Hände legen möchte, der in Gefahr ist und Sie in Gefahr bringt, wenn Sie die Beziehung nicht ausbalancieren können, besonders indem Sie deren Rahmen klar definieren.
Aikido lehren in einer Welt auf der Suche nach Sinn
Unsere Welt ist geprägt von Gewalt und der dadurch ausgelösten rasenden Suche nach Identität, die diese Gewalt hervorruft. Als ich mit der Lehrtätigkeit begann, kamen viele zu mir um Selbstverteidung zu lernen. Die Schönheit und Komplexität des Aikido sind so groß, dass es nicht schwer war, sie auf einen friedvollen Weg zu führen, der die Harmonie in allen Dingen in den Vordergrund stellt. Sie gaben ihre Kampfgelüste und die Ängste, die diese hervorgerufen hatten, leicht auf. Heute sind die Beweggründe sehr viel vielfältiger und oft weitgehend unbewusst. Die Sehnsucht nach Esoterik, nach magischen Verfahren und übernatürlichen Fähigkeiten kann in der Schönheit und Komplexität unseres Aikido Nährboden finden um sich zu entfalten. Ohne deshalb zu einem Aikido der Selbstverteidigung zurückzukehren, bleiben Sie pragmatisch. „Lassen Sie sich nicht mitreißen“ von einem mystisch-philosophischen Diskurs, der – vielleicht ohne dass Sie es beabsichtigen – ein Versprechen nahelegt, das Sie nicht halten können und das Sie auch nicht geben sollten. Denn wir dürfen niemals daran zweifeln oder Zweifel aufkommen lassen, dass Budo in erster Linie eine Arbeit der Selbsterziehung ist und dass „der Schüler selbst es ist, der sich erhebt“, indem er die Praxis nutzt. Ihre Rolle, so bescheiden sie auch sein mag, besteht vor allem darin, ihm zu helfen, Fehlinterpretationen zu vermeiden – insbesondere indem Sie unsere Arbeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit entmystifizieren, ohne dabei seine Träume zu zerstören.
Die Einweihung des Dojos von Kumatori, Japan
Der Beginn des neuen Schuljahres steht diesmal von der Einweihung des Dojos in Kumatori, einem südlichen Vorort von Osaka, geprägt.
Nach Rücksprache mit mehreren Fachleuten habe ich mich dazu entschieden, ihm offiziell den Namen Bansho Chôwa Aikidojo zu geben, was mit „Dojo der Harmonie in allen Dingen“ übersetzt werden kann. (Auf der Abbildung sehen Sie das Schild, das auf den Dojo hinweist.) Sehr wahrscheinlich wird der normale Sprachgebrauch diesen Namen vereinfachen, wie es auch beim Hombu Dojo der Fall ist. Das macht nichts. Der Name wird bestehen bleiben, und er bringt unser Vorhaben recht deutlich zum Ausdruck, das ich mit diesem einfachen Satz zusammenfassen möchte: Unser Aikido zeigt, dass Harmonie – im Gegensatz zu Gewalt – wirksam ist.

Die Einweihung dieser Einrichtung findet am 21. November in Anwesenheit hochrangiger Vertreter der japanischen und französischen Regierungen statt.
Die Aikishintaiso- und Aikiken-Lehrgänge
Vor dieser Einweihung findet der erste Aikishintaiso-Lehrgang statt. Er steht allen offen, und Sie können sich noch anmelden. Nach der Einweihung findet ein Aikiken-Lehrgang statt. Wenn Sie daran teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte sehr zeitnah an. Für beide Lehrgänge beginnt die Anmeldung mit einer E-Mail an**************@****do.fr, in der Sie Ihr Interesse bekunden. Anschließend erhalten Sie weitere Anweisungen.
Gehören Sie zu denjenigen, die sagen können: „Ich war dabei.“ Ich freue mich auf zahlreiche Teilnehmer.
Eine historische Premiere: 3AKH lässt sich in Japan nieder
Die Gründung von 3AKH war eine Premiere in der Geschichte des Aikido. Damit wurde bekräftigt, dass eine Schule, die sich einem bestimmten Aikido-Stil verschrieben hat, in dieser Welt existieren kann, in der Vereinheitlichung bereits die Regel war und in der die Sportlichwerdung bereits begonnen hatte, die Wurzeln zu beschädigen. Dies in Japan zu verkünden und dabei auf die Besonderheiten des Aikido von Kobayashi Sensei zu verweisen, um es zu legitimieren, wird ebenfalls eine Premiere darstellen. Es ist bereits sehr lange her, dass dort ein Ryu ein Dojo gegründet hat. Es ist ein sehr bedeutender und bewegender Moment, die Gründung von 3AKH Japan durch die Eröffnung dieses Dojos zu verwirklichen. Wir haben dem Aikido von Kobayashi Sensei in Frankreich ein Dojo geschenkt. Nun werden wir ihm eines in seinem Heimatland schenken. Das ist eine ausgleichende Gerechtigkeit. Damit komme ich seiner ausdrücklichen und mehrfach geäußerten Bitte nach: „Geht und lehrt mein Aikido in Japan, sonst wird es dort untergehen.“ Sein Aikido am Leben zu erhalten bedeutet, ihn selbst am Leben zu erhalten und ihm weiterhin Respekt und Dankbarkeit zu erweisen. Deshalb wiederhole ich: Ich erwarte euch sehr zahlreich dort.
Beitritt zur Académie Autonome d’Aikido Japon (DNKHA)
Unser japanischer Verein Dai Nippon Kobayashi Hirokazu Aikido Shinko Kiko (DNKHA) wurde als „Ippan Shadan Hojin“, also als „allgemeiner Verein mit Rechtspersönlichkeit“, offiziell anerkannt und eingeführt und hat als zweiten Namen „Académie Autonome d’Aikido Japon“. Ich bin Co-Präsident dieses Vereins, der offiziell eine Filia von 3AKH ist. Mehrere Mitglieder des Vorstands von 3AKH werden Teil der DNKHA sein.
Sie können ab sofort, wenn Sie möchten, Mitglied unserer zweiten Akademie werden, wenn Sie diesen Link anklicken: Der DNKHA beitreten
Damit werden Sie zur Entwicklung des Kobayashi-Aikido in Japan beitragen, wofür ich Ihnen danke. Je stärker wir unsere Präsenz in Japan ausbauen, desto besser sichern wir den Fortbestand unserer Schule.

Einen schönen Schulanfang an alle
Ich wünsche Ihnen einen sehr guten Schulanfang, viele Schüler, viel Erfolg und neue Entdeckungen in Ihrem Unterricht.
Ich freue mich darauf, Sie in London, Lyon, Stettin, bei der Efe, in Vienne und bei der Iat sowie natürlich in Kumatori zu sehen.
Cognard Hanshi

